Manche Leute sprechen von einem „Problemviertel“, wenn es um die Niederlassungen in Spijkenisse geht, wo Marjolein Lops-Fredriks als Leiterin arbeitet. Sie selbst zieht es vor, von einem „dynamischen Umfeld“ zu sprechen. Ihre Aufgabe ist es, im Namen ihres fast 40-köpfigen Teams mit den Schulen, der Gemeinde und den sozialen Einrichtungen in der Region Kontakte zu unterhalten. Das bedeutet für sie mehr Arbeit als in anderen Niederlassungen, wie sie sofort einräumt. „Aber das finde ich nicht schlimm“, fügt Marjolein gleich hinzu. „Die Motivation für diese Arbeit ist, Kindern und Erwachsenen helfen zu wollen. Und die Möglichkeit dazu bekommen wir jeden Tag, ganz konkret.“
In dem Viertel wohnen viele Eltern, die finanziell wenig Spielraum haben. Es sind viele Kulturen vertreten – Partou betreut zum Beispiel auch Kinder von Flüchtlingen, die in den Niederlanden Asyl erhalten haben. „Man kann sich nicht aussuchen, wo man in die Wiege gelegt wird“, betont Marjolein. „Das gilt für die Kinder, die wir betreuen, aber natürlich genauso für ihre Eltern. Hinter jeder Familie steckt oft eine Geschichte.“
Noch aufmerksamer sein
Im Kinderhort und der Kindertagesstätte in Spijkenisse nimmt das Team zum Beispiel Flüchtlingskinder auf, die mit all dem zu kämpfen haben, was sie in ihrem kurzen Leben schon erlebt haben. „Bei diesen Kindern sind wir noch aufmerksamer für Signale“, erklärt die Niederlassungsleiterin. „Wie verhalten sie sich, sind sie zum Beispiel eher ruhig? Oder entwickeln sie sich langsamer als die anderen Kinder? Wenn so etwas auffällt, wenden wir uns an Einrichtungen, die möglicherweise helfen können. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Kind mehr Betreuung braucht, als wir mit unserem Team in der regulären Kinderbetreuung leisten können.“
Spijkenisse ist dabei übrigens keine Ausnahme, betont Marjolein. „Es ist leider ein landesweiter Trend, dass die Zahl der Kinder mit extra Betreuungsbedarf zunimmt“, erklärt sie. „Das Leben ist für viele Niederländer in den letzten Jahren schwieriger geworden. Man kann sehen, dass Eltern mit einem mittleren Einkommen nicht mehr über die Runden kommen können. Solche Situationen wirken sich auch merkbar auf die Kinder aus.“ Partou-Mitarbeiter haben ein starkes Verantwortungsbewusstsein, stellt sie fest. „Wir tun, was wir im Rahmen unserer Möglichkeiten können. Wir sind pädagogisch geschult und sehen die Kinder fast jeden Tag: Oft merken unsere Mitarbeiter früher als die Eltern, dass das Verhalten eines Kindes von dem abweicht, was normal ist.“
Gesundes Frühstück
Manchmal kommt Marjolein zu dem Schluss, dass ein Kind mehr Betreuung braucht, als die Kollegen leisten können: „Zuerst versucht unsere Betreuungskoordinatorin zu helfen und als nächster Schritt wird eventuell das Jugendpflegeteam der Gemeinde eingeschaltet. Über die Jugendpflege wird gegebenenfalls ein Coach von
Coachpoint eingesetzt.“ Manchmal kann jedoch schon eine kleine Änderung des Tagesablaufs in der Kindertagesstätte einen großen Unterschied ausmachen. So nahm die Kindertagesstätte in Spijkenisse letztes Jahr an einem Pilotprojekt teil, um den Kindern ein gesundes Frühstück anzubieten. Die Ergebnisse dieses Pilotprojekts waren so überzeugend, dass die Initiative jetzt vom Personal fest übernommen wurde.
„Für immer mehr Eltern ist es schwierig, ihrem Kind zu Beginn des Tages ein gutes Frühstück zu bieten“, merkte Marjolein. „Dabei ist die erste Mahlzeit am Tag so wichtig. Wenn die Kinder nicht gut gegessen haben, merkt man, dass sie den ganzen Tag über unruhig und unkonzentriert sind.“ Deshalb bereiten die Erzieherinnen und Erzieher von Partou jetzt zwischen 7:30 und 8:30 Uhr gesunde belegte Brote für die Kinder, die das möchten. „Das bedeutet natürlich einen Mehraufwand für das Personal. Aber wir waren uns alle einig, dass wir uns sehr gerne diese Mühe für die Kinder machen wollen.“ Zwischen fünf und zehn Kinder nutzen nun täglich dieses Angebot.
Deeskalationstraining
Die Niederlassungsleiterin sagt nicht, dass es ihr Team in dem sozial benachteiligten
Viertel schwerer hat als Kollegen in wohlhabenderen Gebieten. „Aber man muss
schon aus dem richtigen Holz geschnitzt sein, um hier zu arbeiten“, bestätigt sie.
„Kinder mit Problemen brauchen noch mehr Aufmerksamkeit, und in manchen Fällen
auch ihre Eltern.“ Im März durchlief das gesamte Team des Kinderhortes ein
Deeskalationstraining, damit die Mitarbeiter wissen, wie sie damit umgehen können,
wenn sie wütenden Eltern gegenüberstehen, die sich beschweren oder manchmal
auch bedrohlich wirken: „Das Team hat gelernt, hier noch besser die eigenen
Grenzen aufzuzeigen und weiß jetzt noch besser, wie man eine solche Situation
möglichst schnell deeskaliert.“