Wenn man mit Hennessey spricht, fällt eines sofort auf: Leidenschaft für den Beruf und ein nüchterner Blick auf die Menschen. Während ihrer Laufbahn, die als Jugendliche in der Kita begann und zu einer leitenden Stellung führte, hat Hennessey die Veränderungen in der Branche miterlebt. „Ich habe mit fünfzehn angefangen“, erzählt Hennessey. „Damals war die Hierarchie ganz anders. Man tat, was verlangt wurde, und die Hierarchie nach Dienstalter war unter den Kollegen und Kolleginnen heilig. Inzwischen hat sich diese Dynamik völlig verändert.“
Instinkt gegenüber Theoriewissen
Eine der interessantesten Beobachtungen von Hennessey ist die unterschiedliche Basis, von der aus die Generationen arbeiten. Da ist auf der einen Seite die ältere Generation, die oft aus dem heraus handelt, was Hennessey als „Mutterinstinkt“ bezeichnet. „Sie haben jahrelange Erfahrung. Sie ‚sehen‘ an einem Kind, was es braucht, ohne in einem Lehrbuch nachzuschlagen. Das ist unbezahlbar.
Auf der anderen Seite steht die jüngere Generation. „Sie kommen mit einer Menge neuer Theorien zu uns. Sie kennen die einzelnen Entwicklungsschritte auswendig und können anhand der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse genau deuten, warum ein Kind ein bestimmtes Verhalten zeigt. Die Herausforderung und die Stärke liegen darin, diese beiden Welten zusammenzubringen.“
Hennessey organisiert daher bewusst Treffen, bei denen verschiedene Altersgruppen zusammen an Fallbeispielen arbeiten, beispielsweise zu Schutz und Sicherheit. „Die ältere Garde bringt ihre Praxiserfahrung ein, die Jüngeren die theoretischen Denkmuster. Wenn sie einander zuhören, entsteht ein sichereres und qualitativ besseres Umfeld für die Kinder.“
Kommunikation als größte Hürde
Trotzdem verläuft diese Zusammenarbeit nicht immer reibungslos. Oft erweist sich die Kommunikation als die größte Herausforderung. „Früher war der Ton sachlicher. Heute muss eine Leiterin viel mehr ein Coach sein“, erklärt Hennessey. „Die jüngere Generation will verstanden werden. Sie gibt sich nicht mehr mit ‚weil wir es immer so machen‘ zufrieden. Sie wollen den Grund wissen. Das kann für die Älteren manchmal wie mangelnder Respekt oder ein Angriff auf ihre Autorität wirken, während es eigentlich nur eine andere Art des Lernens ist.“
Außerdem spielt der soziale Aspekt eine Rolle. Außerhalb der Arbeit gibt es bei den Interessen der Generationen oft kaum Überschneidungen, was die Teambildung erschwert. Hennessey versucht, diese Kluft zu überbrücken, indem sie am Arbeitsplatz eine Kultur der Offenheit fördert. „Ich arbeite selbst auch noch regelmäßig in den Gruppen mit. Ich möchte nicht die Leiterin sein, die nur in ihrem Büro sitzt. Indem ich selbst mit gutem Beispiel vorangehe, in Stresssituationen ruhig bleibe, jeden beim Namen nenne und aufrichtiges Interesse zeige, hoffe ich, diese Barrieren abbauen zu können.“
Psychische Gesundheit
Ein auffälliger Unterschied, den Hennessey anspricht, ist die Sorge für die psychische Gesundheit. Während es die ältere Generation gewöhnt war, „nicht zu jammern und weiterzumachen“, achtet die heutige Generation viel mehr auf ihre psychische Gesundheit. „Das ist eine gute Entwicklung, die aber auch Anforderungen an den Arbeitgeber stellt“, so Hennessey. „Wir bieten jetzt Programme zur psychischen Unterstützung an und haben unabhängige Berater, an die sich die Kollegen und Kolleginnen wenden können. Jüngere Beschäftigte erwarten diese Flexibilität und Unterstützung. Wenn ein Arbeitgeber das nicht mitmacht, verliert er sie. Es geht nicht mehr nur um das Gehalt, sondern um die Frage: ‚Werde ich hier als Mensch wahrgenommen?‘“
Andere Haltung der Eltern
Nicht nur das Personal verändert sich, auch die Eltern von heute sind anders als vor zwanzig Jahren. Hennessey merkt, dass die Eltern selbstbewusster und emotionaler geworden sind. „Eltern stehen unter Druck und diesen Druck spüren wir in der Kita. Die Herausforderung für mein Team besteht darin, die professionelle Grenze zu wahren, ohne dabei den persönlichen Draht zu verlieren. Wir müssen die Experten sein, die den Eltern zur Seite stehen, nicht über ihnen.“
Die Zukunft ist inklusiv
Als Leiterin blickt Hennessey optimistisch in die Zukunft, solange wir weiterhin in Verbundenheit investieren. Die „Generationskluft“ ist nach Ansicht von Hennessey kein unüberwindbares Problem, sondern eine Chance. „Mein Rat an andere Leiterinnen und Leiter? Offen sein für die Fragen der Jungen und die Intuition der Älteren nicht unterschätzen. Der Schlüssel ist gegenseitiger Respekt. Wenn die erfahrenen Kräfte die jüngeren ernst nehmen und die jüngeren die Erfahrung der älteren schätzen, ergibt sich ein unschlagbares Team.Letztendlich
haben wir alle dasselbe Ziel.“
Für eine zukunftsfähige Gesellschaft
Wirkung zeigt sich oft in den kleinsten Momenten. Jeder dieser Momente mag klein erscheinen, aber zusammen bewirken sie einen riesigen Unterschied. Für Kinder, Familien, Kolleg:innen und die Gesellschaft von morgen. In unserem Jahresbericht erfahren Sie, wie wir jeden Tag daran arbeiten, einen warmen und sicheren Ort für jedes Kind zu schaffen.