Insgesamt verbraucht Partou 7,8 Millionen Einwegwindeln pro Jahr. Ein früheres Töpfchentraining und die Verwendung waschbarer Windeln spart daher viel Abfall. Allerdings gibt es noch viele Fragen, beispielsweise ob waschbare Windeln in den Kita-Alltag passen und nicht mehr Arbeit für die Erzieherinnen und Erzieher bedeuten.
Die Den Haager Niederlassung Van der Parrastraat im Stadtteil Bezuidenhout war eine von drei Kitas, die im vergangenen Jahr an dem Pilotprojekt teilnahmen. „Eine nachhaltige Welt wird durch viele kleine Initiativen erreicht, die zusammen eine große Wirkung haben können“, meint Florien Vooijs-Uiterwaal, die mit ihren
Kolleginnen und Kollegen in der Kindertagesstätte Windeln getestet und zudem mit extra frühem Töpfchentraining begonnen hat. „Partou ist ein großes Unternehmen. Wenn wir relativ kleine Änderungen vornehmen, können die Auswirkungen durchaus groß sein.“
Das Pilotprojekt bestand aus zwei Teilen. In Zusammenarbeit mit der Firma Billie Wonder stellten die Kindertagesstätten für einige Monate auf waschbare Windeln um. Billie Wonder entwickelte zusammen mit den Erzieher(innen) eine waschbare Windel und zusammen mit der Wäscherei einen Arbeitsablauf, um so eine
geeignete Lösung für die Kitas zu finden. Bislang ist die Verwendung von waschbaren Windeln, die in einer Wäscherei gewaschen werden, sehr kostspielig. Aber das Waschen der Windeln belastet die Umwelt weitaus weniger als Wegwerfwindeln, von denen bei Partou jeden Tag Tausende im Müll landen. Der zweite Teil des
Versuchs bestand darin, das frühzeitige Töpfchentraining zu fördern, wodurch ebenfalls viel Abfall und damit Umweltbelastung vermieden werden kann. Bei diesem Teil des Projekts arbeitet Partou mit der App „De Pot Op“, die Eltern dabei hilft, dass ihr Kind trocken wird. Für diesen Versuch konnten die Eltern die App kostenlos nutzen.
Ein paar Sekunden mehr
Ein wichtiger Aspekt des Pilotprojekts war die Einbeziehung der Eltern in das Experiment, so Vooijs-Uiterwaal. „Viele Eltern fanden es sehr interessant und waren auch sehr offen dafür, etwas Neues zu lernen“, erklärt sie. „Wenn Eltern zu Hause waschbare Windeln verwenden, bedeutet das für sie einen großen zusätzlichen Zeit- und Arbeitsaufwand. Aber wenn wir diesen Schritt bei Partou machen wollen, begrüßen die meisten Eltern die Initiative.“ Der Test lief von Juni 2023 bis Januar 2024. Die waschbaren Windeln wurden mehrmals pro Woche von einem Wäscheservice abgeholt und in einer professionellen Reinigung gewaschen, die auch Krankenhaus- und Hotelbettwäsche wäscht. „Nach dem Waschen bringt die Wäscherei die Windeln sauber und zusammengefaltet zurück.“
Für die Erzieherinnen und Erzieher bedeutet eine waschbare Windel nur ein paar Sekunden mehr Zeitaufwand als eine Wegwerfwindel, stellte Vooijs-Uiterwaal während des Versuchs fest. „Eine normale Wegwerfwindel wird zusammen mit den Tüchern und dem Stuhlgang weggeworfen“, erklärt sie. „Bei einer waschbaren Windel werfen wir nur die Einlage mit dem Stuhl weg, die wir aus der Windel nehmen. Die Windel selbst kommt in den Wäschekorb. Alles in allem dauert das nur ein paar Sekunden.“ In beiden Fällen tragen manche Erzieher(innen) übrigens Handschuhe, fügt Vooijs-Uiterwaal hinzu: „Das Wickeln von Kindern, einschließlich der Beseitigung des Stuhlgangs, gehört eben zu den Aufgaben in der Kinderbetreuung. Ich habe ehrlich gesagt noch nie gehört, dass jemand darüber geklagt hätte.“
Bio-Baumwolle
Übrigens merkten Vooijs-Uiterwaal und ihre Kollegen, dass sich auch die Kinder an das andere Gefühl der waschbaren Windeln gewöhnen mussten. „Aber das ist eher eine Frage der Gewöhnung, nicht der Irritation“, erklärt sie. Die Windeln von Billie Wonder werden aus Bio-Baumwolle und Hanf hergestellt und sind chemikalienfrei. Hanf hat den Vorteil, dass er saugfähig und antibakteriell ist. Es gab ein kleines Problem mit einem Gummiband in der Windel, das bei einigen Kindern einen leichten Abdruck hinterließ: „Aber Billie Wonder hat derartige Probleme schnell behoben. Das sind kleinere Kinderkrankheiten. Der Pilotversuch diente auch dazu, die Windel zu perfektionieren.“
Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Verwendung von waschbaren Windeln zu Hause und in der Kindertagesstätte besteht darin, dass eine „Windel für zu Hause“ mehr Druckknöpfe hat, so dass die Windel mit dem Kind „mitwachsen” kann. In einer Kita ist das nicht nötig, da dort von jeder Größe mehrere Exemplare vorrätig sind. Wenn das Kind wächst, wird einfach eine größere Größe genommen.
Partou wird die Initiative in der kommenden Zeit ausweiten, um zu sehen, ob die zugehörige Logistik auch in großem Maßstab funktioniert und wie hoch die Kosten sind. Die Komponente des früheren Töpfchentrainings mit der App soll auf jeden Fall weiter ausgerollt werden. Vooijs-Uiterwaal ist zufrieden: „Es gibt so viele Kinder, die in die Kinderbetreuung gehen. Wenn die Umstellung gelingt, können wir mit unserer Branche wirklich etwas bewirken.“