Eine einmalige Gelegenheit – das dachte Lisanne Jilink, als sie hörte, dass Partou mit der Universität Utrecht zusammenarbeiten würde. In der Tagesbetreuung wurde bereits relativ viel erforscht. Die Abläufe in Kinderhorten sind jedoch wissenschaftlich noch weitgehend unerforscht. „Ich fand es außergewöhnlich, dass ein Kinderbetreuungsunternehmen sich mit wissenschaftlicher Forschung hervorhob“, erklärt Jilink. „Wissen ist unverzichtbar für eine Weiterentwicklung, und das ist eines der Ziele wissenschaftlicher Forschung. Die Erkenntnisse, die Partou aus der Forschung gewinnt, kommen der gesamten Branche zugute.“
Jilink kam im Sommer 2023 zu Partou. Mit einem Abschluss in Erziehungswissenschaften und einem Master in pädagogischer Unterstützung hatte sie den idealen Hintergrund. „Schon während meines Studiums habe ich mich besonders mit der Forschung zu Kinderbetreuung und pädagogischer Qualität beschäftigt,“ erklärt sie. „Mich interessiert vor allem die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis.“ Eine Zeit lang arbeitete Jilink auch für die Aufsicht in der Kinderbetreuung sowie als inhaltliche Fachkraft. Dabei lernte sie außer theoretischem Fachwissen auch viel über Rechtsfragen, pädagogische Leitlinien und die Berufspraxis.
Mehr als nur Herumlungern
Die Forscherin stellte fest, dass es noch nicht viel wissenschaftliches Wissen über die außerschulische Betreuung gibt, obwohl dieser Bereich der Kinderbetreuung in der Gesellschaft immer wichtiger wird. „Die Bedeutung der Tagesbetreuung von 0 bis 4 Jahren ist inzwischen bekannt und anerkannt“, so Jilink. „Aber als ich als Aufsichtsmitarbeiterin Dutzende Kinderhorte besuchte, sah ich vieles, dass es mich in den Fingern jucken ließ. Es gibt so viel an den Programminhalten der Horte zu verbessern. Es ist so schade, wenn Kinder auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer herumlungern. Ein Kinderhort soll Kindern Herausforderungen bieten und ein attraktiver Ort sein, an dem Kinder entdecken können, was sie interessiert, und an dem sie Wissen und Fähigkeiten entwickeln können.“
Sie will übrigens nicht verallgemeinern, denn sie sagt, sie habe „auch Top-Einrichtungen gesehen“. Landesweite Untersuchungen zeigen, dass in Kinderhorten relativ wenig Aktivitäten angeboten werden. „In diesem Alter entdecken die Kinder, wo ihre Interessen und Talente liegen“, erklärt Jilink. „Natürlich gibt es Eltern, die auch zu Hause viel Zeit und Aufmerksamkeit hierauf verwenden können. Es gibt aber auch schwächere Familien, in denen die Eltern beispielsweise nicht das Geld oder die Zeit haben, um ihre Kinder zum Musikunterricht oder in einen Sportverein gehen zu lassen. Hier kann der Kinderhort sehr gut in die Bresche springen.“
Observieren und filmen
Die Hauptfrage ihrer Untersuchung ist, wie Kinderhorte ihr Angebot an Aktivitäten, ihr Programm und ihren Umgang mit den Kindern verbessern können. Im ersten Teil der Untersuchung geht es darum, Informationen zu sammeln und die bestehende Qualität und das Angebot an Aktivitäten bei Partou zu erfassen. Mit ihrem Team von Forschern und wissenschaftlichen Mitarbeiter(innen) besuchte sie im zweiten Halbjahr 2023 insgesamt 72 der 500 Kinderhorte von Partou. „Wir haben Informationen durch Observieren und Filmen gewonnen“, erläutert die Forscherin. „So wollen wir mehr Aufschlüsse über die Erfahrungen der Kinder im Hort und im Umgang miteinander und mit den Erzieherinnen gewinnen“, erklärt Jilink. „Neben diesen Interaktionen achten wir auch auf die Einrichtung und die Materialien. Außerdem haben die Erzieher und die Niederlassungsleitungen Fragebögen ausgefüllt, zum Beispiel zu den angebotenen Aktivitäten.“
Wissenschaft und Praxis
Diese erste Phase der Studie gilt als Nullmessung, auf der die weitere Forschung aufbauen wird. Jilink und ihr Team arbeiten derzeit ihr weiteres wissenschaftliches Vorgehen aus. „Wir wollen zum Beispiel auch einen Vergleich der Hortbetreuung in den Niederlanden und in anderen Ländern anstellen“, erläutert sie. „Wir werden die Erzieherinnen und Erzieher, Eltern und Kinder aktiv in die Untersuchung einbeziehen. Welche Wünsche und Vorstellungen haben sie im Hinblick auf mehr Herausforderungen und Möglichkeiten im Kinderhort?“ Das soll letztlich zu einem verbesserten Angebot und Programm führen. „Aber schon während der Untersuchung stoßen wir auf interessante Anhaltspunkte und Ideen, mit denen wir in der Praxis etwas anfangen können. Und natürlich werden wir auch das testen, anpassen und verbessern.“
Jilink ist von der Interaktion zwischen Praxis und Wissenschaft sehr angetan: „Es ist sehr wertvoll, wissenschaftliche Forschung aus der Praxis heraus zu betreiben“, meint sie. „Die Forschung soll vor allem dazu dienen, dass die Praxis, also die Kinder und Fachkräfte im Berufsfeld, einen Nutzen daraus ziehen können. Das ist unsere Motivation. Wissenschaft und Praxis sind aufeinander angewiesen: Nur durch
gemeinsames Vorgehen ist eine Qualitätsverbesserung zu erreichen.“