Der Einkauf wird oft mit harten Zahlen und scharf kalkulierten Geschäften assoziiert, aber nach Ansicht von Mulder ist das heute nicht mehr das Einzige. Inzwischen ist Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil jedes Gesprächs. „Ich habe mich schon immer für diese Seite unseres Fachs interessiert. Ich stelle den Lieferanten einfach die Frage:‚Was können Sie als Partner konkret für mich bezüglich der Umwelt tun?‘“
Mulder fällt auf, dass das Wissen bei den Lieferanten mitunter recht fragmentiert ist. „Viele große Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, haben wunderbare Initiativen. Meine Aufgabe ist es, das zu fördern. ‚Was tun Sie schon jetzt, und was können wir selbst ändern, um darauf Einfluss zu nehmen?‘ Das macht meine Arbeit interessant.“
Grüne Ambitionen und die praktische Seite
Ein immer wiederkehrendes Thema ist die praktische Machbarkeit. Partou hat große Ziele, wie zum Beispiel eine CO2-neutrale Unternehmensführung bis 2035, aber diese dürfen niemals auf Kosten der primären Aufgabe gehen: der Betreuung der Kinder.
„Die Mitarbeitenden in den Niederlassungen dürfen in ihrer Arbeit nicht eingeengt werden“, sagt Mulder entschieden. „Wir können uns im Einkauf am Schreibtisch zwar alles Mögliche ausdenken, aber wenn es in der Gruppe nicht funktioniert, hat das keinen Sinn. Ein Produkt kann auf dem Papier wunderbar nachhaltig sein, aber wenn eine Erzieherin oder ein Erzieher sagt: ‚Damit kann ich nicht arbeiten‘, dann stimmt etwas nicht. Wir suchen immer nach dem Weg des geringsten Widerstands für die Mitarbeitenden, der gleichzeitig den größtmöglichen Vorteil für die Umwelt hat.“
Er veranschaulicht dies am Beispiel der Einweg- und Reinigungshandschuhe. „Wir verwenden jetzt auch eine Sorte mit deutlich geringerem Wasserverbrauch bei der Produktion. Das ist eine Verbesserung. Aber uns wurde auch ein vollständig zirkuläres System vorgeschlagen, bei dem wir gebrauchte Handschuhe zum Recycling sammeln würden.
Das klingt noch besser, aber der damit verbundene logistische Aufwand ist enorm. Wir können nicht von den Niederlassungsleitungen verlangen, dass sie auch noch Säcke mit gebrauchten Handschuhen sortieren und für den Lieferanten bereitstellen. Darauf sind wir organisatorisch noch nicht eingestellt. Die Hürde für die, die es ausführen müssen, darf nicht zu hoch sein.“
Innovation durch Zusammenarbeit
Anstelle komplizierter Rücklaufströme konzentriert sich Mulder lieber auf intelligente Produktentscheidungen und die Integration der Lieferkette. Ein gelungenes Fallbeispiel ist die Zusammenarbeit mit Raypack. Das Unternehmen hat seinen Produktionsprozess für Whiteboards und Magnete kritisch unter die Lupe genommen und nachhaltiger gestaltet. Auch bei Muller Print wird nun standardmäßig mit nachhaltigerer Tinte und Papier gearbeitet. „Es kann ein wahrer Schneeballeffekt entstehen“, erzählt Mulder begeistert.
„Manchmal bitten uns Unternehmen auch um Hilfe: ‚Wie sehen Sie das?‘ Auch in Ausschreibungen widmen wir der Nachhaltigkeit ein Kapitel. Das lassen wir bei der Gesamtbewertung schwer mitwiegen.“
Bewusstsein schaffen
Neben den Produkten geht es beim Einkauf in Sachen Nachhaltigkeit auch um Verhalten und Logistik. Mulder und sein Team versuchen aktiv, die Zahl der Transportbewegungen zu reduzieren. „Jeder Lieferwagen, der zu uns kommt, verursacht Emissionen. Wir halten unsere Niederlassungen dazu an, ihre Bestellungen zu bündeln: Statt jede Woche ein kleines Päckchen lieber einmal im Monat eine große Lieferung. Das zahlt sich unmittelbar aus.“
Auch beim Energieverbrauch wird Datenerfassung immer wichtiger. Dank eines neuen Portals und intelligenter Zähler kann die Einkaufsabteilung den Gas- und Stromverbrauch pro Niederlassung überwachen. „Wenn wir irgendwo eine unerklärliche Verbrauchsspitze sehen, fragen wir nach. Ist die Heizung abends und am Wochenende wirklich heruntergedreht? Sind alle Stromverbraucher ausgeschaltet, soweit das möglich ist Indem wir den Verbrauch transparent machen, schaffen wir Bewusstsein, ohne dass der Zeitaufwand für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigt.“
Verhaltenskodex
In der kommenden Zeit wird der Fokus darauf liegen, diese Vereinbarungen zur Routine zu machen. Ein wichtiger Schwerpunkt ist der Verhaltenskodex. „Wir wollen, dass alle unsere wichtigen Lieferanten diesen Kodex spätestens 2026 unterzeichnet haben. Damit verpflichten wir uns zur Einhaltung internationaler Abkommen.
Ein modernes Unternehmen kann es sich nicht leisten, dass es irgendwo in der Lieferkette Missstände wie Kinderarbeit gibt. Darauf achten wir sehr genau.“ Mulder kommt zu dem Schluss, dass sich die Rolle des Einkaufs deutlich gewandelt hat. „Früher war der Preis entscheidend. Heute arbeiten wir mit vier gleichwertigen Säulen: Verfügbarkeit, Qualität, Nachhaltigkeit und Preis. Mittlerweile fragen wir automatisch bei allem, was wir anschaffen: Gibt es eine noch nachhaltigere Alternative? Letztendlich tun wir es für die Welt der Kinder, die wir jeden Tag betreuen. Und diese Veränderung können wir nur zusammen mit unseren Partnern bewirken."
Für eine zukunftsfähige Gesellschaft
Wirkung zeigt sich oft in den kleinsten Momenten. Jeder dieser Momente mag klein erscheinen, aber zusammen bewirken sie einen riesigen Unterschied. Für Kinder, Familien, Kolleg:innen und die Gesellschaft von morgen. In unserem Jahresbericht erfahren Sie, wie wir jeden Tag daran arbeiten, einen warmen und sicheren Ort für jedes Kind zu schaffen.