Helen Faasse ist Ernährungsberaterin und Programmleiterin für gesunde Kinderbetreuung bei Partou. Sie gehörte zu den Pionieren, die in den letzten Jahren die Wissenschaftsabteilung aufgebaut haben, kehrte aber vor kurzem zu ihrem alten Lieblingsthema zurück: Ernährung und Bewegung. „Das Angebot an gesunden Lebensmitteln war bei Partou nie das Problem“, erklärt sie. „Wir halten uns schon seit Jahren an die Grundregeln für gesunde Ernährung. Aber so etwas ist erst dann wirklich nützlich, wenn man mehr Zeit und Mühe in Bewusstmachung investiert. Warum ist es so wichtig, auf die Ernährung zu achten? Welchen Wert und Nutzen hat gesunde Ernährung? Wir konzentrieren uns nicht nur auf die Reduzierung von Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren, sondern auch und gerade auf vielfältiges Anbieten von Obst und Gemüse und das zu jeder Mahlzeit.“
Das Thema hat in den vergangenen Jahren an Aktualität gewonnen; die jüngsten Zahlen zeigen, dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit ernsthaftem Übergewicht weiter steigt. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass nur zwei von fünf Kindern ausreichend Obst und Gemüse essen.
„Dadurch fehlt vielen Kindern das Wissen und die Fähigkeit, sich im späteren Leben gesund zu ernähren“, so Faasse. „Es ist wichtig, dass Kinder selbst lernen und sehen, woher ihre Tomaten und Äpfel kommen, und dass sie ihren Geschmack entwickeln, indem sie die Texturen fühlen und schmecken. Weil wir es auf spielerische Weise und miteinander tun, finden das Obst und Gemüse bei den Kindern oft Anklang. Nur
belehrend zu sagen, was alles nicht erlaubt und nicht gut ist, funktioniert nicht.“
Drei Säulen
Für ihren Ansatz definierte Faasse drei Säulen. „Es ist wichtig, Kindern und Eltern klarzumachen, dass eine gesündere Ernährung ein entscheidender Beitrag zur Entwicklung eines Kindes ist“, beginnt sie. Dabei geht es nicht nur um die körperliche Entwicklung, sondern auch um das geistige Wohlbefinden der Kinder: „Wer sich gesund ernährt, fühlt sich im Allgemeinen besser und hat mehr Energie. Das gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene.“
Die zweite Säule besteht darin, konsequent zu sein und den Wert einer gesunden Ernährung jahrelang immer wieder hervorzuheben. „Der Geschmack von Babys entwickelt sich in der Zeit, in der sie betreut werden, enorm“, erläutert Faasse. „So wie sich Kinder an Süßigkeiten gewöhnen, können sie sich auch an Obst und
Gemüse gewöhnen. Beim ersten Mal werden sie noch ein wenig skeptisch auf einen Brei aus pürierten Bohnen oder Brokkoli reagieren. Aber die Gewöhnung an bestimmte Geschmäcker ist ein Prozess, bei dem man sie begleiten kann und sollte.“
Die letzte Säule besteht darin, die Entdeckungsreise der Kinder gemeinsam zurückzulegen. „Es gibt viele Möglichkeiten, Kenntnisse über Obst und Gemüse in Form von Spielen in die Kinderbetreuung zu integrieren“, sagt die Programmleiterin begeistert. „Das gilt besonders für die schon etwas älteren Kinder.“ So können die
Kinder miteinander kochen und mehr über Ernährung lernen. Oder sie bauen ihr eigenes Gemüse in einem Gemüsegarten an, das sie dann selbst essen können: „Wenn Wissen in einem sozialen Kontext vermittelt wird, sind Kinder viel offener dafür, Neues zu lernen und Fragen zu stellen.“
Wenn besser deutlich gemacht wird, warum gesunde Ernährung wichtig ist, wirkt sich das auch auf die Eltern aus, so Faasse. „Die Entscheidung, alle süßen Getränke durch Wasser zu ersetzen, führte vor ein paar Jahren zu einer Flut von verärgerten Reaktionen“, erzählt sie lachend. „Aber wenn man das Warum einer solchen
Maßnahme gut erklären kann, sehen es die Eltern viel leichter ein und finden es sogar noch gut. Alle Eltern wollen, dass ihr Kind gesund aufwächst und später nicht an Wohlstandskrankheiten leidet.“
Schlemmersafari
Die Kinder reagieren sehr positiv auf die spielerische Art und Weise, mit der die Erzieherinnen und Erzieher dieses Thema ansprechen. „Wir erklären, dass jedes Gemüse seine eigene Farbe und seine eigene Stärke hat“, sagt die Programmleiterin. „Genau wie ein Regenbogen. Man muss es einfach und überschaubar machen: Grün trägt zur Reinigung des Körpers bei und Gelb ist gut für die Muskeln. Unseren Erzieherinnen und Erziehern zufolge funktioniert die Methode gut und es werden mehr Farben gegessen.“
In der Kindertagesstätte gab es bereits die „Geschmackssafari“, bei der bestimmte Gemüsesorten im Mittelpunkt stehen. „Im Hort erweitern wir die ‚Schlemmerwochen‘ und werden die Kinder ab 2024 während einer der beiden jährlichen Themenwochen animieren, auf ‚Schlemmersafari‘ zu gehen“, erläutert Faasse. „Und dann ist auch der Schritt zu etwas ‚komischem Weißem‘ wie Blumenkohl oder Fenchel nicht zu groß. Wir fördern auch das Essen von Obst und Gemüse der Saison. Man isst dann automatisch abwechslungsreicher und das ist auch aus ökologischer Sicht gut.“
Noch mehr Engagement
Um Eltern aus benachteiligten Stadtteilen den gesunden Lebensstil näherzubringen, den Partou fördern will, hat Partou in Zusammenarbeit mit der Hochschule Amsterdam die „OK Gesund-App“ entwickelt. „Es ist eine App, die das Thema anhand von Bildern anschaulich erklärt“, sagt Faasse. „Die Eltern lernen etwas über gesunde Ernährung und bekommen einfache Übungen gezeigt, mit denen sie mehr Bewegung und auch besseren Schlaf fördern können.“ Darüber hinaus wurde in Rotterdam ein Podcast mit Mitarbeitenden aufgenommen, die der Ernährungskampagne zunächst kritisch gegenüberstanden, um sie auf Ideen zu bringen und ihnen das Warum zu erklären: „Wir haben gehört, dass sie allmählich immer begeisterter wurden“, erläutert Faasse.
Die Förderung einer gesunden Lebensweise ist nie abgeschlossen. Auf der Wunschliste von Faasse stehen zum Beispiel das Ausarbeiten der Idee, ein warmes, gesundes Mittagessen anzubieten, und die verstärkte Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmern. „Wir wollen auch mehr Fakten und Rezepte weitergeben, um die
Mitarbeitenden und Eltern zu inspirieren, auch zu Hause gesundes Essen zu kochen“, erklärt die Programmleiterin. „Die Vitalität des Personals und der Kinder sind bei uns ein wichtiges Thema und standen auch während des Studientages im letzten Jahr im Mittelpunkt. Der nächste Schritt ist dann, sich zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitenden sowie den Eltern an die Arbeit zu machen. So können sie auch
sehen, dass Kinder bei uns Dinge lernen können, die ihnen im weiteren Leben helfen.“